Wahlkampfauftakt: Team HC Strache – Allianz für Österreich

Ein Jahr nach Ibiza, am 15. Mai, ladet HC Strache und die DAÖ zu einer Pressekonferenz über eine “neue Bürgerbewegung”. Sie präsentieren: “Team HC Strache – Allianz für Österreich”.

Doch wie stehen die Chancen für die Wien-Wahlen tatsächlich? Wie hoch sind sie einzuschätzen? Und wenn sie gewinnen –  wer verliert?

Julian

&

Jenny

im Gespräch (aufgenommen am 25.05.2020)

Jetzt haben wir in Wien also neben der Bierpartei – quasi der Vollständigkeit halber – eine Liste Team HC Strache. Ich bin mir nicht sicher, ob der DAÖ sich der Abkürzung bewusst war. Aber: Es war allen klar, dass HC Strache wiederkommen wird.

Ich verstehe nicht warum er das in dieser Form macht. Er hätte ja nicht zwangsläufig als Spitzenkandidat zurückkehren müssen. Hat es keinen freien Beraterposten mehr gegeben?

Nach dem Weggang von Strache ist die FPÖ ein bisserl führerlos geworden. Das ist durchaus eine Sichtweise, die von Insidern so gesehen wird. Erst vor kurzem sind im Bezirk Oberpullendorf 10 von 14 Funktionäre geschlossen zur DAÖ gegangen. Die Begründung war, wenn ich das richtig verstanden habe, dass sie das Gefühl gehabt haben in einer steuerlosen Partei zu schwimmen, die keine Loyalität mehr kennt. Es gab und gibt also eine gewisse Unzufriedenheit in der FPÖ und dieses Team HC Strache ist jetzt das Auffangbecken für die.

Natürlich kann man alles irgendwie verschönert begründen. Aber in Wahrheit kann es doch nur aus Geld- oder Machtgier heraus passiert sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Wechsel irgendeiner Person von der FPÖ zu Team HC Strache aus inhaltlichen Gründen passiert ist – es gibt ja auch noch keinen wirklichen Inhalt. Und die tatsächlichen Stracheanhänger sind dann eher die “kleinen Leute”.

Offensichtlich ist das gar nicht so. Da gibt es Politiker, die reine “Strachefans” sind. Die also die FPÖ als “Strachepartei” gesehen haben und ihr ein Überleben ohne ihn nicht zutrauen.

Ich sag ja nicht, dass er nie was erreicht hat. Es war mit Ibiza aber einfach vorbei. Das Bild, das er seit Jahren von sich selbst gezeichnet hat, war damit einfach zerstört. Und deshalb ist er ja zurückgetreten – jetzt rudert er aber wieder zurück! Sein Auftritt bei “Im Zentrum” war mir so unangenehm zu mitansehen. Das ist teilweise wie bei den ATV Sendungen. Man fragt sich: Ist den Leuten das nicht selbst peinlich? Und es ist ja nicht nur das, was im Ibiza-Video passiert oder nicht, sondern auch alles rundherum, z.B. der Posten von Philippa Strache im Nationalrat: Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie den Posten im Nationalrat sich wirklich erarbeitet hat. Und jetzt brüstet sich das Team HC Strache mit ihrer bereits vorhandenen Stimme im Nationalrat – weil die Philippa (verwunderlicherweise) sich jetzt auch zu Team HC Strache bekennt?

Die Sendung von “Im Zentrum” fand ich total unfair. Es waren drei Personen und die Moderatorin selbst, die einfach abwechselnd auf den Strache, auf einen einzigen, draufgehauen haben. Sie haben ihm gar keine Chance gegeben, sich zu verteidigen oder Dinge richtig zu stellen. Da wurde nur moralisiert, aber sich die Fakten aus Sicht von Strache anzuhören, wurde brutal abgewürgt.

Ich denke, du bist da etwas verblendet. Ich finde die Moderatorin Reiterer hatte durchaus Recht dazu, ihn so barsch anzufahren. Er ist einfach – typisch Politiker – auf ihre Fragen inhaltlich nicht eingegangen. Du kritisierst quasi, dass er nicht die gleiche Zeit hatte, um Sachverhalte klarzustellen, nach denen einfach nicht gefragt wurde!

Ohne Strache da jetzt moralisch in Schutz nehmen zu wollen – das Ibizavideo war ja jenseitig, das ist allen klar – aber er versucht da einfach darauf klar zu machen, dass im Buch der Journalisten, die das Video veröffentlicht haben, ein doch anderes Bild vom Ibiza-Gespräch zu lesen ist. Und das ist deshalb grundlegend, weil darauf ja die Argumentation von der Reiterer, vom Filzmeier usw. basiert. Ob das jetzt ein gutes Argument ist, will ich nicht beurteilen – aber man hätte Strache da zumindest ausreden lassen können. Also er konnte ja gar nicht auf die Fragen eingehen, weil sie ihm ja intentional bereits unterstellt haben, dass er die Personifikation der Unmoral ist. Die konkrete Frage von der Reiterer war, “Wo ist Ihr moralischer Kompass?”, dass er jetzt wieder in die Politik geht. Und da sind wir wieder bei der Wien-Wahl.

Was glaubst du denn, was bedeutet das für die Wien-Wahl?

Wenn wir uns die Umfragen anschauen, ist das schon beachtlich: Als DAÖ wurden ihnen Anfang des Jahres auf Anhieb 5% zugeschrieben – nur auf Verdacht, dass der Strache eine eigene Liste macht.

Wenn ihnen schon jetzt 5 bis 7% der Stimmen zugerechnet werden, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass es hier noch um irgendwelche Inhalte gehen kann.

Das ist ja das Faszinierende. Es gibt einfach echt viele Strachefans in Wien. Die immer schon die Person und nicht ein Programm gewählt haben.

Was mich überrascht hat ist, dass die SPÖ derzeit auf 40% in Wien ist?

Derzeit sind es 37% – und das bei der Personaldebatte rund um Rendi-Wagner. Dass die jetzt nicht mehr verlieren, wundert mich eigentlich.

Ich glaub schon, dass das auch größtenteils mit der Coronakrise zu tun hat. Und ja – sie ist Ärztin!

Ich denke, die SPÖ konnte ihre Oppositionsrolle besser verkaufen als z.B. eine FPÖ. NEOS hatten beispielsweise sicher sehr, sehr gute Reden im Parlament – die konnten sich aber auch nicht so gut verkaufen – also laut Umfragewerte.

Ich glaube, dass die Leute in Krisenzeiten eher zu Altbewährten tendieren und sich wahrscheinlich weniger auf “neue” Parteien verlassen. Also, dass z.B. alte SPÖ Wähler, die bei den letzten Wahlen – weil der Fokus vielleicht auch woanders lag – Grün oder FPÖ gewählt haben, jetzt wieder zur SPÖ zurückkehren.

Das würde erklären, warum die Grünen, laut Umfragen, überraschenderweise nicht spürbar dazu gewinnen konnten. Ich glaube, es gibt allgemein einen großen Flow zwischen Rot und Grün. Also nicht die klassisch-grünen Bobo-Wähler, sonder eher die linken Grün-Wähler, die diese strengen Corona-Maßnahmen nicht gut gefunden haben. Was mich wundert ist, dass viele Unternehmer, die ja jetzt nach Corona oftmals in finanziellen Schwierigkeiten sind, nicht zu den Neos wechseln, sondern anscheinend noch immer ÖVP wählen würden.

Neos haben gute neue Ansätze. Aber die Chance sich zu beweisen hatten sie halt noch nicht. Es gibt wenig Erfahrungswerte aus der Vergangenheit – einfach zu neu.

Also entweder es stimmt einfach nicht, dass es aufgrund der Maßnahmen gerade so vielen Menschen so schlecht geht oder sie wählen als Kälber ihre Schlächter trotzdem.

 Ich glaube die Leute vertrauen einfach noch darauf, dass die versprochenen Zahlungen noch kommen werden. Müssen sie vermutlich auch glauben..

Aber das wird das Wahlergebnis sicher stark beeinflussen. Auch die Geschichte von dem Privatdetektiv, die Strache auf Parteikosten hat absetzen lassen. Wenn da noch mehr kommt, räume ich beiden Parteien keine großen Zugewinne ein.

Es muss noch viel aufgearbeitet werden und da ist die Frage was dabei dann rauskommt und hängenbleibt. Ein paar Monate bis zur Wahl sind ja noch – da würd’ ich mich also noch nicht festlegen. Ich schätze aber dennoch, dass Team Hydrocannabinol auf vielleicht 6 bis 7 Prozent kommt. Bei einer FPÖ ist hingegen die Schwankung sehr hoch – je nachdem, wie schnell sie eine konkrete Parteilinie finden und ein geschlossenes Auftreten. Und ja, was da noch aufgearbeitet wird von Polizeilicher Seite.

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