Heimdiskurs ist Heimat und Diskurs, ist Widerstreit wie Konvergenz der Gegensätze im gemeinsamen Heim, sind 2 Meinungen unter 1em Dach.

Zwei Seelen wohnen ach – nein, nicht in meiner Brust, sondern – unter einem Dach. Eine Ehe ist davon geprägt, dass zwei Menschen in einem hinlänglichem Maß Gemeinsamkeiten aufweisen und bestimmte Interessen und Träume teilen. Doch auch unter einem Dach kann man nicht immer einer Meinung sein. Man bringt als Ehepartner bestimmte anerzogene Vorstellungen von Werten und Moral und eine persönliche Weltanschauung in die gemeinsame Beziehung mit und nicht immer müssen sich daher bei bestimmten Themen die Meinungen decken.

So auch bei uns. Aufgrund der multimedialen Flut von Informationen, die heutzutage auf unsere Gesellschaft einprasselt und unseren Alltag bestimmt, hatten wir es uns mit der Zeit so eingerichtet, abends, bei einem Gläschen Wein, die wichtigsten Tagesgeschehen zu diskutieren.

In jeder längeren Beziehung kommt der Punkt, da wird aus zwei Personen ein WIR und dann gibt es die Momente, da wird aus dem WIR nach ein paar Gläsern Wein oder ein paar Tagen Quarantäne (das kennen wir doch alle) wieder ein ICH & ICH: Willkommen im Heimdiskurs!

Diese oft fruchtbaren Abenddiskussionen richteten sich irgendwann mit einer gewissen Regelmäßigkeit ein, sodass uns bald die Idee überkam (nicht zuletzt, da wir beide immer schon geschrieben hatten), diese Diskussionen in einen Blog zu gießen.

In diesem Blog geht es uns daher um die kritische Auseinandersetzung mit bestimmten Themen des Tagesgeschehens. Wir tragen damit den öffentlich-medialen Diskurs von außen in unser Wohnzimmer und von unserem Wohnzimmer auf diesen Blog. Doch dabei bekommst du, als Leser, nicht einen Blogbeitrag zu einem Thema, sondern zu einem Thema immer zwei Artikel: einer von Julian und einer von Jenny – zur gleichen Zeit.

Wir haben unseren gemeinsamen Blog daher “Heimdiskurs” genannt. In der Bezeichnung kommt mit den so unterschiedlich konnotierten Begriffen Heimat und Diskurs bewusst eine gewisse Gegensätzlichkeit zum Ausdruck. Aber zugleich verweist sie – im Sinne Hölderlins Konvergenz der Gegensätze – auf das, was eint: das gemeinsame Heim, das Heimatliche und der Versuch der dialektischen Versöhnung im Diskurs.

Gelebte Demokratie

Vergleichen wir eine Beziehung mit den zwei Kammern des österreichischen Parlaments: Entscheidungen über Gesetze werden durch Konsensfindung im Nationalrat – im Falle von Bundesgesetzen per Mehrheitsbeschluss – gefällt, diese können aber durch den Bundesrat beeinsprucht werden. Dieser wird landläufig gerne vergessen, so wie in Beziehungen gerne vergessen wird, dass sie aus zwei unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Meinungen,  Gefühlen und Befindlichkeiten bestehen. Man muss aus gegenseitigem Respekt heraus beide Seiten anhören und zu Wort kommen lassen dürfen. Und so sollten auch Bund und Länder natürlich als gleichberechtigte Partner gelten (zumal dieses Verhältnis beachtlich lange historische Tradition hat). Das ist aber, wie in einer Ehe, nur Schein. Da es sich beim Bundesrat lediglich um ein suspensives Vetorecht handelt, ist es letztlich völlig wurscht, was er sagt, da der Nationalrat mit einfacher Mehrheit durch einen Beharrungsbeschluss das Gesetz dennoch zur Durchsetzung bringen kann. Nach Außen spricht man dann von einem “Kompromiss”. Und, kennt ihr das nicht von wo?

Unser Autor Julian hat Germanistik, Philosophie, Archivwissenschaften – und ach, auch Juristerei, aber wohl nur ein Semester – in Wien studiert. Er ist als freier Lektor und im Drucksatz tätig. Daneben verfasst Julian Auftragsartikel für diverse Zeitschriften. In seiner Freizeit schreibt der verträumte Idealist gemeinsam mit Realistin Jenny an diesem Blog. Persönlich sieht er Fortschrittsdenken, Globalisierung und die postmoderne Diversitätsfeindlichkeit kritisch.

Als eine etwas planlose Person hat unsere Autorin Jenny nicht nur Wirtschaftsrecht und Komparatistik begonnen und wieder abgebrochen, sondern auch etwas abgeschlossen (oder zumindest bald): Publizistik und Marketing. Zugleich ist sie schon seit mehreren Jahren als Touristikerin tätig und versucht in dieser bunten Mischung eine Linie zu finden. Doch auch wenn gut Ding Weile braucht, kann ihr nichts schnell genug gehen. Persönlich ist sie eine bodenständige Realistin und daher oft das Gegenstück zu Julian.